Kirche

Die Evangelische Kirche Klingenberg

Der Kirchenbau

Auf der Urkarte von 1834 liegt die Kirche genau am nördlichen Eingang zum ehemaligen Dorf Klingenberg unterhalb des Schlosses/der Burg und in der Nähe des Neckars.
Sie ist eine von Ost nach West gerichtete Saalkirche mit einer barocken Fassade im Westen.

Erste Erwähnung

Im Chor der Kirche führt auf der rechten Seite eine steinerne Pforte in die Sakristei.
Die Rahmung des Durchgangs zeigt spätgotisches Stabwerk; im Sturz ist ein Spruchband mit der Jahreszahl 1508 und dem Wappen der Stifter Wilhelm von Neipperg und Anna von Schwarzenberg zu sehen.
Ihnen kann wesentlicher Anteil am Kirchenbau zugeschrieben werden, doch erscheint es als sicher, dass eine Kapelle o.ä. an dieser Stelle schon früher vorhanden war.
Die Kirche hat, so weit bis jetzt bekannt, nie ein Patronat gehabt.

Die Bauteile der Kirche

Umgebung der Kirche

Süden: Pfarrhaus, 1736 und älter; Lukas-Gemeindehaus, 1984.
Zwischen Kirche und Lukas-Gemeindehaus: der Kirchhof mit über 200-jähriger Linde.
Westen: Kriegerdenkmal

Die Kirche außen

Rechteckiges Kirchenschiff, rechteckiger Chor. Unterschiedlich hohe Dächer.
Turm: Giebelreiter mit Fachwerk, 3 Schallfenstern, 2 Zifferblättern einer Uhr.
Darunter Eingang zur Empore: Vom Kirchhof über die kleine Freitreppe
Haupteingang: Norden, es führt eine kleine steinerne Treppe hinunter.
Rechts neben der Eingangstür über dem Fenster die Inschrift; WRVN 1736.
Nebeneingang Norden – führt in den Mesnerraum, 1984
Nebeneingang Süden – führt in die Sakristei durch eine Tür mit Datum 1593 im Sturz
Südseite: rechteckiger Stein mit Inschrift „Renovirt Georg Heinrich Bechman, 1736“

Der Kirchturm

Der Kirchturm ist eine eigenwillige Konstruktion; seine Aufrichtung erfolgte um das Jahr 1736.
Von Westen betrachtet bildet er als Giebelreiter eine Einheit mit der Eingangsfassade.
Sein Abschluss ist ein Glockendach.
Unter den Schallfenstern im Süden und Norden befindet sich die Kirchturmuhr, die unterschiedlich gestaltete Zifferblättern hat.
Die Uhr wird schon 1805 erwähnt.

Die Glocken

Die kleinere Glocke Glocke trägt die Inschrift „Soli Deo Gloria me fecit Samuel Mezger Heilbronnensis.
M. Bertsch, Pfarrer. Michael Rügner, Anwald in Klingenberg 1768.
(Gott allein zur Ehre fertigte
mich Samuel Mezger aus Heilbronn).
Sie ist mit Rocaillemotiven und mit dem Weihnachtsmotiv geschmückt:
Christi Geburt mit Inschrift „Ehre sei Gott in der Höhe“.
Außerdem zeigt sie das Kruzifix und Engelsköpfchen an den Bügeln.
Die größere Glocke trägt die Inschrift „Ich bin das A und das O. Der Anfang und das Ende“.
Ihr Gießjahr ist 1972.

Die Kirche innen

Kirchenschiff

Saalbau mit Tonnengewölbe

Der Inschrift mit dem Neipperg’schen Wappen über dem Fenster beim nördlichen Eingang „WRGN“, 1736, belegt, dass die
gräfliche Familie umfangreiche Erneuerungs- und Neubauarbeiten in der Zeit des Barock vornehmen ließ.

Die Fenster wurden vergrößert und zum Teil mit Rundbogenabschluss versehen; einfache, eindrucksvolle Wandgemälde (Fresken) sind symbolisch der Muttergottes gewidmet.
Hintergrund: Klingenberg war um 1530 geschlossen protestantisch geworden; die Familie von Neipperg wandte sich jedoch im 17. Jahrhundert aus politischen Gründen wieder dem katholischen Glauben zu und renovierte die Kirche folgerichtig im Stil des Barock.

Die Kanzel

Die Kanzel war aus Holz gearbeitet; ihr Aufgang lag im Chor, ein Baldachin überkrönte sie.
Unterhalb der Kanzel befanden sich die sogenannten „Grafenbänkle“ für die gräfliche Familie.
Später nahmen hier die Frauen der Honoratioren des Ortes Platz.
Die neue, ganz aus Stein aufgeführte Kanzel kam 1956 in die Kirche.
8 Stufen führen hinauf in den achteckigen Kanzelkorb.

Der Taufstein

Der Taufstein ist das Kapitel einer Säule.
Das Datum 1713 ist darauf zu finden.

Die drei Wandgemälde

Bei der Renovierung im Jahr 1956 war die Freilegung der Fresken im Kirchenschiff eine kleine Sensation:
– Über der zugemauerten „Grafentür“ im Süden tauchte das Neipperg’sche Wappen auf.
Es zeigt einen mittelalterlichen Schild mit Helm, der nach besonderen heraldischen Regeln ausgeschmückt ist.
Aufwändige Draperie mit Federn und den drei Neipperger Ringen.

– Über den Triumphbogen spannt sich ein Spruchband, das aus Laub, Lilien und Granatäpfeln gebildet wird.
Diese marianischen Symbole für Unschuld und Fruchtbarkeit weisen auf die Weissagung des Propheten Jesaja hin.
Leider wurden bei der letzten Renovierung die rechts und links an den Enden Gemäldes befindlichen Bandabschlüsse übertüncht, so dass der Charakter des Spruchbandes verloren gegangen ist.

– Die Vision des Propheten Jesaja (AT) wird auf der nördlichen Wand dargestellt.
Er kniet, mit einem schlichten Gewand bekleidet, bärtig, neben einem kahlen Baum.
Ihm erscheint in einer Wolke, die über einem Tempelchen schwebt, der thronende Christus in der Mandorla.
Neben dieser Figur stehen 2 Cherubim mit je 3 Paar Flügeln; 7 Engelköpfchen mit Locken, deren Flügel eine Herzform bilden, umschweben die heilige
Erscheinung.

– Ein gemalter Rahmen mit dem Schriftzug „Esaja’ VIi C.“ im oberen Bereich und dem Datum 1747 im unteren Bereich verweist die Fertigstellung des Freskos in die Zeit der Kirchenrenovierung um das Jahr 1736.
Es überrascht, dass innerhalb dieser gesamt schlichten Darstellung der Maler die Gesichtszüge und die Hände des Propheten kunstvoll gestaltete.

Die Empore

Die Empore ist von außen über eine kleine Freitreppe und vom Kircheninnenraum über eine Holztreppe erreichbar.
Die Empore wurde vermutlich zusammen mit der Barockfassade um das Jahr 1736 errichtet.
2 schöne Holzsäulen aus dieser Zeit tragen die Holzkonstruktion; 1956 kamen 2 kleine Säulen hinzu, da die Empore ins Kirchenschiff hinein vergrößert wurde.

Die Orgel

Die Orgel wurde 1825 auf der Empore installiert.
Ihr Schöpfer ist Johann Victor Gruol aus Bissingen/Teck.
Das kunstvoll gestaltete Instrument steht unter Denkmalschutz.
Die Orgel ist jedoch bis heute voll einsetzbar und bietet klangvollen Hörgenuss an Sonntagen und bei Konzerten.

Chor

Wände und Decke

Die Rundbögen in den Wänden lassen darauf schließen, dass der Chor einmal mit einem Kreuzrippengewölbe versehen war.
Chorwand im Osten: In der Mitte sitzt ein Buntglasfenster mit der Darstellung der „Auferstehung“, 1956.
Als Stifter treten Gräfin und Graf von Neipperg mit ihren Wappen in der Basis des Fensters auf.
Unterhalb des Fensters nach Norden fällt ein in einen Stein der Wand eingearbeitetes Sakramentshäuschen (16. Jrh.) auf, das durch ein einfaches, aber effektvoll aus Gitterstreifen und darüber gelegten Röschen gestaltetes Türchen verschlossen wird.
Eine schlichte Schmiedearbeit wohl aus der Zeit um 1740.
Der Chor war bis ins 19. Jrh. eine der Grablegen derer von Neipperg.
Einige nicht mehr gut lesbare Grabplatten wurden während der Renovierung 1956 entfernt, 3 eindrucksvolle Exemplare sind an der südlichen Chorwand aufgestellt.
Die Wappen der Grabsteine wurden 1956 etwas restauriert.
Die Inschriften der Grabsteine (von Osten):
a) Kindergrabstein: Anno 1633 den 5. Nov. starb Anastasia Dorothea des wohledlen und gestrengen Ludwig Christoph von und zu Neipperg adelige Tochter sein. 11 Mon., 9 Tag.
b) Anno 1672 den 17. Mai ist gestorben der hochedelgeborene Herr Bernhard Ludwig von und zu Neipperg auf Bönnigheim und Klingenberg im Alter von 56 Jahr.
c) Anno 1668 den 2. Febr. ist gestorben die hochedelgeborene Frau Helena Magd von Neipperg geb. von Hallweil des auch hochedelgeborenen Herrn Bernhard Ludwig von Neipperg auf Klingenberg, die Ehegemahlin. Ihres Alters 45 Jahre.

Der Triumphbogen

Der Triumpbogen trennt Chor und Schiff.
Chor und Schiff befanden sich bis 1956 auf einer Ebene.
Auffallend ist, dass der Triumphbogen nicht in die Mitte der Wand positioniert wurde, die Kirchenschiff und Chor trennt.

Der Altar unter dem Triumphbogen

Der Altar war bis 1956 aus Mauersteinen aufgebaut.
Er stand unter dem Triumphbogen in das Kirchenschiff hinein.

1956 wurden die beiden Stufen in den Chor angelegt.
Gleichzeitig setzte man den Altar auf einen Sockel.
Der Altar besteht aus 3 Sandsteinplatten.

Sehenswert ist das auf dem Altartisch stehende Lesepult.

Das spätgothische
Kreuz auf der Mensa
des Altars

Christus am Kreuz ist unmittelbar im Todeskampf, im Moment des „… es ist vollbracht“ dargestellt.
Die Haltung der Finger – Daumen und Zeigefinger beider Hände schließen sich zum Kreis – beschreibt die
Sekunde des Übergangs vom Leben zum Tod.

Noch ist die Qual des Hinübergehens zu erkennen:
Schwer liegt der Kopf mit der Dornenkrone auf der rechten Schulter.
Die Augen sind geschlossen, leicht öffnet sich der Mund zum letzten Seufzer.

Auffallend sind der kräftig ausgearbeitete Solarplexus und die besondere Fassung der Skulptur.
So scheint das Lendentuch nur noch von einem leichten Windhauch bewegt.
Die Bemalung des Lendentuchs in grauer und goldener Farbe weist auf das Überzeitliche der Situation hin.

Die spätgotische Sakristei, 1508

Ein aus Sandstein gearbeiteter Durchgang vom Chor in die Sakristei zeigt fein ausgeführtes Stabwerk.
Darüber sind die Wappen der Stifter in einem Spruchband zusammen mit der Jahreszahl 1508 zu sehen.
Ein auffallend kräftiges Türblatt beeindruckt durch Eisenbeschläge und mit mächtigem Schloss.
Ein geradgestürztes Fensterchen im Osten und das Kreuzrippengewölbe verweisen in die Bauzeit der Spätgotik.
Ein großer Schlussstein zeigt das Neipperg’sche Wappen; er wurde 1956 farbig restauriert.

Renovierung 1984

Zunächst wurde die Kirche außen (Drainage) instandgesetzt.
Innen wurde das Tonnengewölbe und die Balustrade der Empore erneuert.
Eine neue Beleuchtung an den Seitenwänden geben dem Kirchenraum ein angenehmes Licht.
Neue, harmonisch gefärbte Fenster sorgen für Ruhe durch eine Dreifachverglasung (Kunstglaserei Seiler, Stuttgart).

Text: Karin Metz, Arbeitskreis Heimat & Kultur Heilbronn Klingenberg